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SÜDSEE: Die Macht der Motive – Wie der Tatau Polynesien formte

Polynesien

Die Tätowierkunst auf den Inseln Polynesiens ist lebendiger denn je – Foto: Tahiti Tourisme

Wer die Inselwelt in Polynesien bereist, kommt an der traditionellen Tätowierkunst der Südsee nicht vorbei. Tätowierungen haben auf den Inseln von Tahiti eine lange Geschichte. Die ersten Spuren der polynesischen Tätowierkunst reichen mehr als 2.000 Jahre zurück.

Heute ist die Tätowierkunst auf den Inseln lebendiger denn je. Dennoch wäre diese Kunst fast ausgestorben.

Mythische und historische Ursprünge

Die als Tatau bekannten polynesischen Tätowierungen haben sowohl mythische als auch historische Ursprünge. Den Legenden der Inseln von Tahiti zufolge wurden die ersten Tätowierungen von den Söhnen des Gottes Ta’aroa gezeichnet, der in der polynesischen Kultur als Schöpfer von allem gilt. Später gaben die Söhne diese Praxis an die Männer weiter. Matamata und Tū Ra’i Pō, die beiden Söhne von Ta’aroa, wurden zu den Schutzgottheiten der Tätowierung.

Die historischen Ursprünge der Tätowierung gehen auf die ersten Siedlungswellen aus Südostasien zurück, die sich ab dem zweiten Jahrhundert vor Christus auf den polynesischen Inseln niederließen. Die Praxis verbreitete sich im gesamten polynesischen Dreieck, mit Ausnahme der Austral- und Tuamotu-Inseln. Besonders die Marquesas waren für ihre komplexe und reiche Tätowierkunst bekannt.

Polynesien

Erste Spuren der polynesischen Tätowierkunst reichen mehr als 2.000 Jahre zurück – Foto: Gregoire Le Bacon

Die heilige Rolle der Tätowierung in der traditionellen Gesellschaft

In der voreuropäischen polynesischen Gesellschaft nahmen Tätowierungen eine grundlegende Stellung als soziale Markierung und heiliges Symbol ein. Ihre Verwendung war weit verbreitet und hatte verschiedene Bedeutungen. Sie war nicht nur ein Mittel, um die Zugehörigkeit zu einem Gebiet, einem Stamm oder einer Familie anzuzeigen, sondern auch, um den sozialen Status einer Person zu definieren. Außerdem war die Tätowierung eng mit wichtigen sozialen Ritualen verbunden, wie dem Übergangsritual von der Kindheit in die Pubertät oder der Hochzeit.

Über den sozialen Aspekt hinaus hatte die Tätowierung eine sakrale Dimension, die tief in der polynesischen Kultur verwurzelt war. Dem Glauben nach wurde sie als Geschenk der Götter betrachtet und trug eine übernatürliche Kraft in sich. Einige Motive wurden speziell entworfen, um die Person zu schützen, indem sie ihr Mana, eine essenzielle spirituelle Kraft, bewahrten. Diese Motive standen auch für das Prestige und die göttliche Essenz, die für die gute Gesundheit, Ausgeglichenheit und Fruchtbarkeit des Menschen verantwortlich waren und ihn gleichzeitig vor schädlichen Einflüssen schützten.

Weit entfernt von Modeerscheinungen war die polynesische Tätowierung weit mehr als nur eine Form der Körperkunst. Sie war ein starkes Mittel der Kommunikation und des Ausdrucks in der traditionellen Gesellschaft. Ihre soziale und sakrale Bedeutung machte sie zu einem wesentlichen Bestandteil der polynesischen Identität, die sowohl die Geschichte als auch die Kultur und die Werte dieser alten Zivilisation vermittelte.

Polynesien

Auch heute noch verraten einige der in die Haut der Tahitianer eingeprägten Motive ihre Herkunft, wie hier von der Insel Bora Bora – Foto: Gregoire Le Bacon

Von der Herkunft zum Status: Die ursprüngliche Funktion des Tatau

Jede polynesische Kultur hat ihre eigene Vorstellung von Tätowierungen, sei es in Bezug auf Motive, Werkzeuge oder Techniken. Vor einigen Jahrhunderten war eine der einfachsten Möglichkeiten, die Herkunft eines Polynesiers zu bestimmen, das Betrachten seiner Tätowierungen. So hatte jedes Atoll seine eigenen Motive. Auch heute noch verraten einige der in die Haut der Tahitianer eingeprägten Motive ihre Herkunftsinsel oder sogar die Zugehörigkeit zu einer Familie. Früher gab es in Polynesien kein Schriftsystem. Die Tätowierungen der Polynesier dienten als Ausweis und gaben Auskunft über den Status, den Rang in der Gesellschaft, die Persönlichkeit, die Arbeit, die familiären Bindungen und sogar die Leidenschaften.

Körperzonen und ihre Bedeutung: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Die Platzierung der polynesischen Tätowierungen auf dem Körper ist entscheidend und beeinflusst ihre Bedeutung. Der Körper wird als Verbindung zwischen Himmel und Erde betrachtet. Der obere Teil wird mit der spirituellen Welt in Verbindung gebracht, während der untere Teil mit der irdischen Welt verbunden ist. Außerdem kann die Anordnung der Elemente auf dem Rücken eine Beziehung zur Vergangenheit andeuten, Zeichnungen auf der Vorderseite weisen auf die Zukunft hin. Zudem wurde die linke Seite im Allgemeinen mit Frauen und die rechte Seite mit Männern in Verbindung gebracht. (NAN/TT 29-10-25)

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