Die Stadt Rotorua in Neuseeland liegt mitten in einem Vulkan und das tägliche Leben rund um den Kratersee ist geprägt von geothermischer Aktivität. Die natürliche Erdwärme wird seit Jahrhunderten im täglichen Leben und in den Traditionen der Maori, der indigenen Bevölkerung des Landes, genutzt. Touristen und Besucher der Stadt können an den geothermischen Wundern aktiv teilhaben – und dies macht Rotorua zu einem einzigartigen und authentischen Reiseziel.
Wenn sich Reisende der Stadt in der Region Bay of Plenty nähern, können sie den Umriss des Lake-Rotorua-Sees schon von weitem erkennen: wie ein kleines Gebirge erhebt sich der Kraterrand um die rund 80 Quadratkilometer grosse Wasserfläche. Versteinerte Lava-Schlote vergangener Magma-Eruptionen zieren die Landschaft. Das vulkanologisch aktive Seeufer, auf dem die Stadt heute steht, ist Teil des Kraterrandes.
Lake Rotorua entstand nach dem jüngsten schweren Ausbruch eines Vulkans vor rund 240 tausend Jahren. Die Explosion resultierte in einem katastrophalen Auswurf und schuf eine so genannte Caldera, einem Hohlraum in der Erdkruste, der sich dann mit Wasser füllte. Ein neuer Vulkankegel, sichtbar als kleine Insel, wächst bereits wieder aus dem See. Heute ist Lake Rotorua neben dem ebenso vulkanischen und nahen Lake Taupo im Zentralplateau des Landes das zweitgrösste Binnengewässer Neuseelands.

Explosive Geschichte: Der aktive Tarawera-Vulkan bei Rotorua zieht bis heute Besucher aus aller Welt in seinen Bann – Foto: Tourism New Zealand
Rotorua: Wiege des internationalen Tourismus Neuseelands
Der See, sein aktiver Kraterrand und die umliegenden geothermischen Attraktionen der Region sind Teil eines etwa 15 Quadratkilometer grossen, geologisch aktiven Feldes, das mehrere Vulkane und Krater-Seen umfasst. Eine tektonische Verwerfungslinie (Fault Line) erstreckt sich vom neuseeländischen Zentralplateau mit drei aktiven Vulkankegeln, dem Taupo-See und über die Region Rotorua bis hin zu White Island in der Bay of Plenty, eine der Küste vorgelagerten Vulkaninsel und Teil des unterirdischen Systems. White Island, oder Whakaari Island in Maori, ist zuletzt 2019 ausgebrochen und forderte 22 Menschenleben.
Gerade wegen der geologisch-explosiven Geschichte der Region mit ihren sichtbaren Narben in der Landschaft sowie der vielen blubbernden Schlammlöcher, kochenden Sulfur-Seen und zischenden Geysiren gilt Rotorua als die Wiege des Tourismus in Neuseeland. Bereits im 19. Jahrhundert nahmen Reisende aus aller Welt die oft beschwerliche, mehrmonatige Schiffsreise nach Neuseeland auf sich, um dann per Pferdekutsche vom Hafen in Auckland über mehrere Wochen durch dichten Buschwald nach Rotorua zu gelangen.
Rotorua: Eine explosive Geschichte
Die Attraktion für diese ersten internationalen Besucher waren vor allem die historisch berühmten pink-weissen Sinterterassen am Tarawera-See am Fusse des gleichnamigen Vulkans. Die Terassen im See waren per Maori-Kanu erreichbar und den dortigen Warmwasser-Pools wurden heilende Kräfte nachgesagt.
Sie luden Besucher zum Baden ein und die farbig-glitzernden Mineral-Ablagerungen wurden wegen ihrer imposanten Grösse seinerzeit als 8. Weltwunder bezeichnet. Bei einem heftigen Ausbruch von Mount Tarawera 1886 wurden die Terassen allerdings für immer zerstört.
Geoaktives Wunderland Rotorua
Bis heute zieht die Region Rotorua jedoch Besucher aus aller Welt in ihren Bann und gehört als Reiseziel in jede Neuseeland-Planung. Wer die Geothermal-Wunder und die Maori-Kunst & Kultur hautnah erleben möchte, sollte mindestens drei Tage einplanen, um in die touristischen Attraktionen in Rotorua und der umliegenden Region einzutauchen. Eine gute Gelegenheit dafür bietet das Maori Kunst – und Kulturzentrum Te Puia am Stadtrand von Rotorua.
In der City zischt und dampft es praktisch an jeder Strassenecke aus dem Boden. Die öffentlichen Parks sind voll von aktiven Wasserlöchern und Teichen, viele davon brodelnd und kochend heiss. In manchen Vorgärten haben sich in der Vergangenheit oft über Nacht neue, blubbernde Schlammlöcher aufgetan. Und über allem hängt täglich ein höllisch-schwefliger Sulfur-Geruch.
Nachhaltige Nutzung der Geothermie
In vielen Bereichen der Stadt wird das Wasser aus der natürlichen Geothermik nachhaltig verwendet. Im täglichen Leben gehören warme, öffentliche Bäder am Seeufer genauso dazu wie die private Nutzung in Haushalten und in der Vielzahl von Hotels und anderen touristischen Unterkünften. Wichtig sei es, so die Stadtverwaltung, die das System mit dem Rotorua Geothermal Regional Plan kontrolliert, dass das Äquivalent des verbrauchten Warmwasser-Volumens der Region wieder in das unterirdische System zurückgeführt wird, um so den Zyklus für die Zukunft nachhaltig zu sichern.
Attraktionen
Wai-O-Tapu Thermal Wonderland
Das Wai-o-Tapu Thermal Wonderland ist eine spektakuläre Präsentation von farbenprächtigen und einzigartigen geothermischen
Elementen Neuseelands, die durch jahrtausendelange geothermische Aktivität geformt wurden. Das komplette Wai-o-Tapu-Erlebnis umfasst den Lady Knox Geysir und die Erkundung des Geothermieparks zu Fuss.
Der Lady Knox Geysir schiesst bis zu 20 Metern in die Höhe. Dieser einzigartige Geysir wird mit Seife “gefüttert” und ist deshalb täglich pünktlich um 10:15 Uhr aktiv.
Beschreibungen des Geothermalparks gibt es mehrsprachig, auch auf Deutsch, und sind bei der Erwanderung der Vielzahl von unterschiedlichen Geo-Attraktionen sehr hilfreich. Einige der aktiven Becken, wie beispielsweise der Champagne-Pool, sind farbenprächtig und atemberaubend.
Der Wai-o-Tapu Geothermalpark wurde von vulkanischer Aktivität über Jahrtausende hinweg geformt.
Anfahrt etwa 30 Autominuten von Rotorua City. Weblink: www.waiotapu.co.nz
(NAN 14-08-26)
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